„Ich habe viele Pokale in meinem Leben gewonnen, doch keine Trophähe ist vergleichbar mit dem Erfolg, den Kampf um den Frieden gewonnen zu haben.“

Man kennt Didier Drogba als erfolgreichen Stürmer, vor allem seine Zeit in London machte ihn weltberühmt. Erst im Mai unterstrich er seine Klasse, als er seine Londoner zum erstmaligen Titelgewinn in der Champions League schoss. Nun wird er in China seine Tore machen, doch eines ist viel wichtiger, er wird auch weiterhin kämpfen. Kämpfen für den Frieden in seinem Heimatland, der Elfenbeinküste.

Es begann alles im Oktober 2005 im Sudan. Abpfiff des entscheidenden Qualifikationsspiels um die Teilnahme bei der WM 2006 in Deutschland. Die Elfenbeinküste hat es zum ersten Mal geschafft. Sie wird bei einer Weltmeisterschaft dabei sein, sich mit den besten Teams der Welt messen. Das war an diesem Abend klar. Doch dieser Abend sollte viel mehr bewirken als nur die erstmalige Teilnahme an einer WM. Sie sollte das Leben von Didier Drogba, ja einem ganzen Land verändern.

Appell im Fernsehen

Kurz nach Abpfiff in der Kabine der Gastgeber. Das Fernsehen sendet live und auf einmal greift sich der größte Fußballer seines Landes das Mikrofon. Er fällt auf die Knie und beginnt zu reden, nein zu flehen: „Vergebt einander. Vergebt einander. Das Land darf nicht im Krieg versinken. Bitte legt die Waffen nieder.“ Es war keine geplante Aktion, nein, es war instinktiv, wie er später sagen sollte. Er und seine Teamkollegen hassten die Zustände in ihrem Land, dass sich die Leute gegenseitig umbringen, im Bürgerkrieg gegeneinander kämpfen. Die geglückte WM-Qualifikation war der perfekt Moment, um dies zu sagen, so Drogba im Nachhinein gegenüber dem Telegraph.

Doch nicht sofort sollten die Waffen neidergelegt werden und schweigen. Es brauchte noch eine weitere große, mutige Geste des Stürmers. Mit dem Goldenen Ball für den besten Spieler Afrikas stand er 2007 im Präsidentenpalast vor Präsident Gbagbo und forderte die Erlaubnis in die Rebellenhochburg Bouaké fahren zu dürfen. Dort, wo die Gewalt herrschte, wollte er seine Trophäe seinen so treuen Fans zeigen, ohne die er nie diesen Erfolg hätte feiern können. Diese Frage dem Präsidenten zu stellen, der gegen diese Region im Norden einen unerbittlichen Krieg führte, zeigte schon den Mut, aber auch die Zuversicht dorthin reisen zu dürfen. Er durfte.

Der Anfang des Friedens

So setzte sich Didier Drogba in ein Flugzeug und reiste nach Bouaké. Der Jubel der Fans war unbeschreiblich, Menschenmassen strömten ihm entgegen und zelebrierten ihren Star. Der Held war einer von ihnen, der für das gesamte Land kämpfte. Nur drei Monate nach dieser Szene kehrte er zu einem Spiel zurück. Nicht nur er allein kam, nein, die ganze Nationalmannschaft der Elfenbeinküste kam in das bis dahin verlassene Stadion von Bouaké. „Die Elefanten“ spielten in der Qualifikation zum Afrika Cup gegen Madagaskar. Damals, an diesem Tag in Bouaké, sollte die Elfenbeinküste wieder zusammenfinden. „Ich habe es gefühlt, damals wurde die Elfenbeinküste wiedergeboren“, erinnert sich Drogba an die Ereignisse von damals. Ein Friedensvertrag brachte den Mensche Ruhe. Es war ein Verdienst des Fußballers und Friedenskämpfers Didier Drogba.

Viele Sportler nutzen ihre Popularität für Benefizveranstaltungen oder Stiftungen, doch kaum einer hat einem ganzen Land den Frieden gebracht. Didier Drogba ist das Sprachrohr der Ivoren, er ist einer von ihnen. „Ich habe viele Pokale in meinem Leben gewonnen, doch keine Trophäe ist vergleichbar mit dem Erfolg, den Kampf um den Frieden gewonnen zu haben.“

 

Erstveröffentlichung auf 16-er.de

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