Die hässliche Seite Salvadors

Am Dienstag hat es nun auch mich erwischt. Ich wurde überfallen. In Brasilien, genauer in Salvador während der WM. Hätte ich es kommen sehen sollen? Nein.

Der Grund ganz einfach: Ich habe mein gestohlenes Handy nicht präsentiert. Ich habe es nur für wenige Augenblicke aus der Hosentasche gezogen, um die Uhrzeit zu checken. Zudem war es auch helllichter Tag auf der Strandpromenade. Dummerweise waren vergleichsweise wenige Leute zugegen, weil das Spiel Brasilien gegen Mexiko gerade lief und ich ja auch nur in der Halbzeit schnell zu meinem Hotel wollte.

Diesen Moment nutzte ein Kerl aus, griff nach dem Handy, schlug mir ins Gesicht und drückte mich zu Boden. Erst wollte ich mich noch reflexartig wehren, doch dann kam mir in den Sinn, was man stets tun sollte: Nichts. Also habe ich ihm das Handy sozusagen überlassen.

Wer jetzt denken mag, ich verteufle Salvador oder gar ganz Brasilien, der irrt sich. Natürlich ist es eine Erfahrung, die man sich auch gern hätte sparen können, aber ebenso habe ich auch erfahren, wie hilfsbereit die Menschen sein können. Ganz schnell kamen Passanten angerannt, haben die potenziellen Täter verfolgt (irgendwie kam auch ein zweiter dazu, das habe ich jedoch nicht genau mitbekommen) oder haben mit ihren Autos gestoppt.

Ich habe in dem Moment – natürlich war ich geschockt – nicht viel auf Portugiesisch erzählen können. Dazu ist es eben doch nicht auf dem Niveau meines Englisch zum Beispiel.

Schnell war ich wieder im Hotel, alles war auch ebenso schnell wieder okay. Es ist mir ja nichts passiert und das Handy, war auch nicht mein privates (also auch nur sehr wenige Daten darauf gespeichert) und Reisepass etc hatte ich gar nicht dabei, sondern im Hotelsafe sicher verschlossen.

Natürlich will man eine solche Erfahrung nicht unbedingt teilen, aber mir ist es passiert und im Endeffekt ist es vielleicht auch gut so. Besser, dass es mich erwischt hat, als vielleicht eine andere Person, die daran das ganze Leben zu knabbern hätte, oder so.

Der Vorfall hat leider nur das Bild Brasiliens bestätigt. Viel Geld ist geflossen, doch nicht dahin, wo es am meisten gebraucht wird. Eine ordentliche Bildung, Gesundheitsversorgung und ausreichend Jobs sind nun einmal die Grundlage für den Wohlstand. Dann müssten die Menschen auch nicht in der Kriminalität leben. Einfach gesagt, aber im Grunde ist es nicht viel mehr.

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