Warum der Catch von Dez Bryant keiner war

Schiedsrichter. Das sind Menschen – ja, sie sind Menschen, auch wenn nicht jeder Sportfan dieses Wort gern für die Unparteiischen gebraucht. Dass Menschen Fehler machen ist hinlänglich bekannt und das wird ihnen auch stets vorgehalten. Doch am Sonntagabend haben die Schiedsrichter bei dem 26:21-Sieg der Green Bay Packers über die Dallas Cowboys richtig entschieden. Und dennoch wird es kontrovers diskutiert.

Was war passiert? Es waren noch 4 Minuten und 42 Sekunden auf der Uhr. Nicht bis das Viertel zu Ende war, sondern, bis das gesamte Spiel aus sein wird. Dallas-Quarterback Tony Romo wirft einen brillanten Ball über 31 Yards auf der linken Seite gen Endzone. Dez Bryant fängt den Pass im Sprung ab, Green Bays Cornerback Sam Shields ist machtlos. Soweit so gut. Er landete schließlich mit beiden Beinen auf dem Boden im Lambeau Field, nur wenige Zentimeter von der Endzone entfernt. Er machte noch zwei weitere Schritte, geriet ins Wanken und verlor die Kontrolle über den Ball. Zu diesem Zeitpunkt berührte das Ei den Boden. Bryant rollte noch immer den Ball halbwegs in den Armen haltend über und versuchte schlussendlich irgendwie noch in die Endzone zu kommen.

Schiedsrichter Gene Steratore und sein Team entschieden sofort auf Catch, der Ball gehörte Dallas und sie waren einen Yard von ihrem vierten Touchdown entfernt. Doch Packers Head Coach Mike McCarthy wollte es genau wissen und nutzte eine Challenge. „Es war so ein wichtiger Spielzug“, erklärte er nach dem Ende der Partie, „da musst ich einfach so handeln. Ich war mir sicher, habe dennoch auch sehr gehofft.“ Steratore entschied auf einen unvollständigen Pass und nahm somit seine erste Bewertung des Spielzuges zurück. Da es der vierte Versuch war, bekamen die Packers den Ball zugesprochen und konnten den 26:21-Sieg über das Feld nach Hause tragen. Bryant und die Cowboys konnten es nicht fassen. Lag Steratore richtig? Zum Ärger aller Dallas-Fans muss man zugeben, dass die erste Entscheidung des Unparteiischen FALSCH gewesen wäre und die neue – also unvollständiger Pass – RICHTIG war. Die Erklärung ist, wie so vieles im American Football, nicht ganz einfach. In den Regeln der National Football League ist in Regel 8, Teil 1, Artikel 3, Satz 1 deutlich beschrieben, wann und wie ein Pass erfolgreich war oder eben nicht. Fängt ein Spieler den Ball und geht dabei zu Boden, so muss er während dieser gesamten Phase die Kontrolle über das Spielgerät behalten. Berührt der Ball den Boden noch bevor der Spieler ihn unter Kontrolle hat, ist der Pass unvollständig. Anders ist es, wenn er die Kontrolle hat und der Ball danach den Boden berührt. In diesem Falle wäre der Pass vollständig.

Auf die Szene vom Sonntag bezogen heißt es, dass Bryant den Ball zwar fing, ihn aber beim Wanken und auf den Boden fallen verloren hatte, das Spielgerät den Boden berührte und Bryant erst danach vollständige Kontrolle über den Ball bekam. Extrem ausgedrückt: Hätte er versucht nicht nur weiter in Richtung Endzone zu kommen und sich stattdessen „normal“ abgerollt, wäre der Pass erfolgreich gewesen, da er vermutlich so leichter Kontrolle über den Ball bekommen hätte.

Umgehend twitterte Dean Blandino, Vize-Präsident der NFL und Schiedsrichter-Boss: „Nach den Regeln muss er, wenn er zu Boden geht, die ganze Zeit über Kontrolle haben. Er hatte es nicht, also unvollständiger Pass.“

Abkaufen wollte Bryant ihm diese Erklärung kurz nach Spielende nicht so recht. „Alles, was ich weiß“, entgegnete der 26-Jährige, „ist, dass ich den Ball unter Kontrolle hatte. Eins, zwei, fangen, das ist Ballkontrolle, oder?“

Wie kontrovers und schwer zu entscheiden dieser Spielzug war, wird auch deutlich, wenn man Sam Shields zuhört. Der Cornerback: „Ich habe erst gar nicht gewusst, was passiert ist. Ich dachte, er hat ihn gefangen und einen starken Spielzug gemacht.“ Die Schiedsrichter hätten schließlich richtig entschieden und „sehr gut reagiert“. „Bryant hat den Ball ja noch verloren.“

Damit werden die Cowboys die zweite Woche nacheinander Dauerthema in den Medien sein. Ironischerweise ist die Anwendung dieser Regel durch einen vermeintlichen Touchdown von Calvin Johnson für die Detroit Lions berühmt geworden. Dieser wurde den Lions aberkannt. Auch als Schiedsrichter damals beteiligt: Gene Steratore…

Bildquelle: twitter.com/dezbryant

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