Rezension: „Dritte Halbzeit – Eine Bilanz“ von Waldemar Hartmann

Vor zwei Jahren kam das Buch „Dritte Halbzeit – Eine Bilanz“ von Waldemar Hartmann heraus. Damals habe ich mich am Rande der Leipziger Buchmesse mit ihm getroffen. Das Ergebnis findet Ihr HIER. Bekannt wurde Waldemar Hartmann als Field-Reporter der ARD oder als Interviewer des Bundestrainers nach den Länderspielen. Welchen Weg er dafür zurücklegen musste, beschreibt er in seiner Autobiografie im „Waldi-Style“ .

„[…] Die Kamera ist noch aus, aber ich merke schon: Aus den Ohren und Nasenlöchern des Vulkans aus Hanau kräuselt der erste Rauch. Der Hessen-Ätna steht unmittelbar vor dem Ausbruch. Damals gab es noch nicht so viele Kochshows im Fernsehen – aber Rudi wäre eine gute Frühversion von Tim Mälzer gewesen. Ein Mann kocht live im TV. Mein nächster Gedanke war: Gut dass wir uns siezen.“

Unter anderem mit diesen Worten beginnt der langjährige Sportreporter Waldemar Hartmann seine Autobiografie. Bekannt wurde der inzwischen 65-Jährige als „Duzmaschine“ oder eben als „Weißbier-Waldi“, der „keine Riester-Rente, sondern eine Rudi-Rente“ bekommt. Diese Rente hat er an jenem Abend in Reykjavik vom damaligen Teamchef Rudi Völler serviert bekommen.

Bier für den Vater

Im Buch beschreibt Hartmann seinen Beginn als Sportler, der in jungen Jahren noch zusammen mit der Handballlegende Erhard Wunderlich in Augsburg auf dem Feld stand oder wie sein Vater als Tramfahrer seine Runden drehte und dem kleinen Waldemar, als er am eigenen Heim vorbeifuhr, zurief „Waldemar, hol a Maß“. Heute undenkbar, damals in den 1950er Jahren durchaus Praxis.

Hartmann und Black

Detailgetreu beschreibt der gelernte Journalist, dass die Schule nichts für ihn war und er sich lieber mit den Sportlern umgab, Musik machte und Gerhard Höllerich kennenlernte, bevor dieser zum gefeierten Star Roy Black wurde. Über Beziehungen landete er immer wieder in einem anderen Klub, sogar in München, wo er als junger BR-Mann auf einmal völlig unerwartet Haus-und-Hof-Reporter von Franz-Josef Strauß war.

In England hinter dem Ende der Welt

Später entschied er sich für den Sport und wurde Mitglied Sportredaktion des Bayerischen Rundfunk. Hier angelangt, rekapituliert der gebürtige Nürnberger die glorreiche Europameisterschaft 1996, an deren Ende Deutschland den Titel holte. Doch was im Fernsehen so bunt und schön aussah, war im Reporteralltag ganz anders, denn Berti Vogts „hatte sich nicht das Ende der Welt als Mannschaftsquartier ausgesucht. Weit gefehlt – es war noch einige Kilometer weiter gezogen. Und wir landeten hinter dem Ende der Welt“.

Die ARD übersteht es

Seine Geschichten aus dem Sportalltag überraschen, liefern Hintergründe und bringen den Leser zum Schmunzeln. Der Kultmoderator liefert eine bunte Geschichte über sich selbst mit einer Anreihung von Anekdoten aus seiner Karriere. Wer den Menschen Waldemar Hartmann mag, wird dieses Buch lieben und verschlingen. Für alle anderen ist eine nette Lektüre, dass es eben nur einen „Waldi“ geben kann und er auch genau so sein muss. Gespielt ist nichts, er ist ein Original.

Bereits vor fünf Jahren im Jahr 2009 entschloss er sich dieses Buch zu schreiben. Brisanz erhielt es jedoch erst im vergangenen Jahr, als sein Abgang bei der ARD alles andere als freundschaftlich und kollegial von statten ging. Es ist aber keine Abrechnung, wie so viele erwartet hatten. Einige Nadelstiche setzt Hartmann durchaus, aber den Dolch lässt er stecken.

„Dritte Halbzeit – Eine Bilanz“, die Autobiographie von Kultmoderator Waldemar Hartmann ist im Heyne Verlag erschienen. Umfang: 368 Seiten; Format: 13,5 x 21,5 cm, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag; Preis: 19,99 € inkl. MwSt.; ISBN: 978-3-453-16921-0

Veröffentlicht in: Sport

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